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WhatsApp? - nein danke

4 min read

Gestern ist mir auf Twitter zufällig ein Tweet aufgefallen: "WhatsApp Fasten|aktion" waren die Worte, die mir den Gedanken suggerierten: Gute Idee, so ein Verzicht auf WhatsApp.

Leider geht es bei der Aktion nicht um den Verzicht auf WhatsApp. Im Gegenteil, die Leute von kirchenmobil.de werden Gedanken zum Fasten über den Messenger verbreiten. Sorry, mich erreicht Ihr damit nicht!

by Jose Martin (unsplash)

(Foto: Jose Martin, verfügbar auf der Seite unsplash.com)

Ich bin nicht über WhatApp erreichbar, ich habe vor Jahren meinen Facebook-Profil wieder gelöscht, und mein Android-Mobiltelefon hat keinen Zugang zu Google-Diensten.

Warum nicht?

Die großen Internet-Konzerne Google und WhatsApp/Facebook leben von den Daten, die Nutzerinnen und Nutzer freiwillig zur Verfügung stellen. Die Tatsache, dass auf fast jedem Handy Google-Dienste und WhatsApp genutzt werden, gibt diesen Konzernen ein fast vollständiges Beziehungsgeflecht zwischen allen Menschen in die Hand. Beide Konzerne bringen dieses Geflecht mit anderen Daten in Verbindung.

Viele Personen aus dem Geflecht sind aktiv bei Facebook. Facebook kennt Ihre Vorlieben und Wünsche. Leute, die Facebook weniger intensiv nutzen, hinterlassen über Like-Buttons Spuren welche Seiten im Internet sie besuchen. Sie brauchen die Buttons nicht anzuklicken: Es reicht wenn Sie bei Facebook angemeldet waren und Cookies im Browser gesetzt sind.

Google verfüg über mindestens ebenso weitreichende Möglichkeiten: Fast alle nutzen die Google-Suche oder beliebige Seiten im Internet, die Google-Analytics eingebunden haben. Und ein Android-Handy hinterlegt sowieso fast jede beliebige Aktivität bei Google, wenn man das nicht explizit abstellt.

Eine Gefahr: Profiling

Das Beziehungsnetz zwischen Menschen gibt den Internet-Konzernen ein enormes Werkzeug in die Hand: Für jeden Menschen lassen sich sehr treffende Annahmen über seine Neigungen treffen. Die politische Einstellung, die finanziellen Möglichkeiten, sexuelle Vorlieben und Religion sind da nur Beispiele.

Das kann dazu führen, dass wir alle manipuliert werden. Die Manipulation über gezielt eingeblendete Werbung bei Facebook oder Google können wir alle beobachten. Aber was ist, wenn Shops im Internet uns gezielt hochpreisige Produkte anbieten, weil wir es uns leisten können? Oder uns werden vermeintlich billige Schnäppchen angeboten werden, weil wir leicht auf so etwas hereinfallen? Die Manipulation werden wir kaum wahrnehmen.

Im Zusammenhang mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten wird vermehrt über politische Manipulation über das Internet nachgedacht. Natürlich ist es auch möglich, dass ich im Internet sehr gezielt manipulierte Nachrichten präsentiert bekomme, um mich in eine Richtung zu lenken. Facebook nimmt Einfuß auf die Timeline, die angezeigt wird. Für Google ist es ein Ziel, mir für mich optimierte Suchergebnisse anzuzeigen.

Was können wir tun?

Wir sollten den großen Quasi-Monopolisten das Leben so schwer wie möglich machen. Nutzt kleinere Anbieter, die sich an deutsches und europäisches Datenschutzrecht halten. Sie dürfen Eure Daten nicht im großen Stil zusammenführen.

Bezahlt nicht mit Euren Daten. Emanzipiert Euch: Mit einer eigenen Domain macht Ihr Euch im Internet unabhängig vom Anbieter: Ihr nutzt Eure E-Mail-Adressen unabhängig vom Anbieter und könnt von einem zum anderen Anbieter umziehen. Ihr veröffentlicht Eure Inhalte unabhängig von Facebook und WhatsApp auf der eigenen Internetseite. Ihr könnt gerne zusätzlich per Facebook, Twitter und WhatsApp auf neue Artikel der Internetseite hinweisen, um die Rechweite zu erhöhen. Aber bitte gebt die Rechte an Euren Inhalten nicht an Facebook oder WhatsApp ab!

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